Wenn die Obstbäume blühen im Mostviertel

Wenn die Obstbäume blühen im Mostviertel

Die weiße Pracht

Während der Schnee auf den Bergen langsam zu schmilzen beginnt, hat der Frühling im niederösterreichischen Mostviertel längst begonnen. Ab Mitte April lässt sich hier das Schauspiel der austreibenden Pflanzen und ganz besonders die Blüte der Mostbäume miterleben. Entlang der gesamten Moststraße finden sich die prächtigen, weiß blühenden Birnbäume, aus deren Früchten später das erfrischende Getränk hergestellt wird.

Wunderschöne Wanderrouten führen über die Hügel des Voralpenlandes. Vorbei an grünen Wiesen, den für die Region typischen Vierkanthöfen und kleinen Wäldern spaziert oder radelt man von Ort zu Ort. Oft lässt sich aus der Ferne schon der nächste Kirchturm ausmachen, an dem die Route vorbeiführt. Doch wohin man auch schaut, es sind immer die blühenden Obstbäume, die einem sofort ins Auge fallen. Sie stehen in einem Spalier neben den Wegen, trennen die Felder voneinander oder spenden Schatten nahe der Bauernhöfe. Das weiße Blütenmeer ist überall in der Umgebung zu sehen und bestimmt das Bild der Landschaft zu dieser Jahreszeit. Ein Anblick, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Das Voralpenland im Mostviertel mit blühenden Obstbäumen
Obstbäume im Mostviertel die den Weg säumen

Die knorrigen Obstbäume mit ihren weißen Blütenhauben bilden einen starken Kontrast zu den grünen Wiesen. Im Moment sind die gelben Flecken des Löwenzahns noch überall zu sehen, bevor auch er sich bald weiß färben wird und seine Sahmen durch die Luft wirblen.

Zu Fuß von Waidhofen an der Ybbs bis St. Peter

Ostersonntag, schönstes Wetter und alle Zeit der Welt. Beste Vorraussetzungen, um auf den 20 km zwischen Waidhofen und St. Peter viele schöne Dinge zu entdecken. Unser Weg führt uns an Böhlerwerk vorbei den Berg hinauf, quer feldein bis nach St. Georgen in der Klaus. Während es kein Problem zu sein scheint Gatter zu öffnen, unter Stacheldraht hindurch auf fremde Weiden zu gelangen oder über Zäune zu klettern, um auf möglichst direktem Weg das Ziel zu erreichen, gibt es eine Regel, an die sich alle Einheimischen halten. Die grünen Wiesen und Felder der Bauern dürfen nicht betreten, geschweige denn ganz überquert werden. Wer dies nicht beachtet, riskiert, von laut schreienden Bauern mit knallroten Köpfen und einer Schrotflinte in der Hand verjagt zu werden. So wird es zumindest allen Neuankömmlingen geschildert, damit ihnen dieser schreckliche Fehler nicht unterläuft.

Nach dem steilen Anstieg durchs Grüne flacht der Weg ab und St. Georgen erscheint auf dem nächsten Hügel. Ab und zu begegnet man anderen Wanderern, Radfahrern oder muss einem Auto Platz machen. Doch die meiste Zeit herscht Stille. . In der Ferne sieht man Rehe und Hasen, die scheinbar über die Wiesen springen dürfen, ohne direkt in Lebensgefahr zu schweben.

Nach 7 km erreichen wir die kleine Kapelle am Ortsende von St. Georgen in der Klaus. Das Gebäude mit den kunstvoll gestalteten Glasfenstern steht in exponierter Lage mit gutem Blick auf das angrenzende Tal und die dahinterliegenden Berge. Der Panoramabrunnen, der immer gekühlte Getränke für durstige Wanderer, Radfahrer und Besucher bereithält, befindet sich in unmittelbarer Nähe und lädt zu einer kleinen Pause ein.

Danach geht es langsam aber stetig bergab. Während wir uns an diesem Tag für eine Wanderung entschieden, genießen andere Familien die Sonne vor ihren Bauernhöfen. Nicht selten scheinen sie geradezu verloren zwischen den großen Gebäuden, Geräten und weiten Flächen. Unentschlossen, welcher Ort sich am besten für ein Sonnenbad oder ein gemeinsames Mittagessen eignet, suchen sie sich meist die seltsamsten und unangenehmsten Orte auf ihrem Grundstück aus. Wie in der Auslage eines Ladens positionieren sie sich neben der Straße und werden zu Sight Seeing Objekten der vorbeigehenden Wanderer.

Ein Mostbaum im Vordergrund vor einem Bauernhof im Mostviertel

Die Vögel zwitschern, es duftet nach Frühling und die Sonne strahlt warm auf uns herab. So stark, dass wir den Sonnenbrand schon bald deutlich sehen und spüren können. Langsam kommt Seitenstetten in Sicht. Wir passieren den Franzosenwald, der seinen Namen um 1800 erhielt und die Ruhestätte österreichsicher und französischer Soldaten ist, die im zweiten und dritten Koalitionskrieg an ihren Verletzungen starben. Neben dem eisernen Kreuz, das an diese Schlachten erinnert, befindet sich auch ein interessanter Naturlehrpfad am Rande des Waldes. Er wurde von Schülern des Stiftgymnasiums angelegt und informiert nicht nur über verschiedene Baum- und Straucharten, sondern gibt auch vielen Waldbewohnern ein sicheres Zuhause.

Vor uns liegt nun das imposante Stift Seitenstetten. Auch das „Vierkant Gottes“ genannt, nimmt es Bezug auf die tyische Form der Bauernhöfe der Region. Interessante Führungen, Veranstaltungen und Ausstellungen bieten ein reichhaltiges Kulturprogramm für die Region. Sowohl der Innenhof als auch die Stiftskirche und der historische Hofgarten sind auch ohne Führung zugänglich und geben einen faszinierenden Einblick in spätgotische und barocke Stilelemente.

In Seitenstetten finden sich zahlreiche Gastronomien, in denen sich der Most der Region verkosten lässt. Uns führt der Weg allerdings noch ein Stück weiter, durch den Ort hindurch, an neuen Wohnsiedlungen vorbei, bis wir schließlich bei St. Peter in der Au unser Ziel erreichen.

Unsere gesamte Strecke findet sich auch hier noch einmal wieder.

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