1/2 Jahr im Ausland – College in Neuseeland

1/2 Jahr im Ausland – College in Neuseeland

Meine erste große Reise, die ich allein machte, führte mich direkt ans andere Ende der Welt. Als ich 15 Jahre alt war, hatte ich das Glück, ein halbes Jahr in Neuseeland zu leben und dort zur Schule zu gehen.

Warum gerade Neuseeland?

Bereits im Alter von 12 Jahren interessierte ich mich sehr dafür, ein Jahr im Ausland zu verbringen. Zu dieser Zeit hatte ich gerade erst angefangen, Englisch zu lernen, da meine erste Fremdsprache in der Schule Französisch war. Mir Vokabeln und Grammatik in der Schule zu merken, war für mich immer schwierig. Deshalb wurde mir schnell klar, dass ich in einem englischsprachigen Land zur Schule gehen wollte, um die Sprache besser zu lernen.

Mein erster Gedanke war Amerika. Ich hatte bereits Freunde, die ein Jahr im Ausland verbracht hatten und konnte mir zunächst keinen besseren Ort vorstellen. Im Alter von 12 Jahren kannte ich das Land nur aus Filmen und hatte mich sonst noch nicht viel damit beschäftigt. Als ich meine Eltern in den Plan einweihte, wurde jedoch schnell klar, dass Amerika nicht in Frage kam. Warum? Nach kurzer Recherche stellte sich heraus, dass es keine genauere Wahl für den Standort des Auslandssemesters geben würde. Je nachdem, wo sich eine Gastfamilie finden würde, konnte man als Student auf einem Bauernhof auf dem Land oder in einer Großstadt landen.

Um mich über andere Möglichkeiten zu informieren, ging ich mit meiner Mutter zu einer Messe der verschiedenen Organisationen die Schüler ins Ausland schicken. Die Organisation, die wir wählten, hieß Eurovacances. Es handelte sich um ein kleines Unternehmen was sehr persönlich mit uns zusammenarbeitete und auf unsere Fragen einging. Auf die Idee nach Neuseeland zu gehen, kam ich zum ersten Mal durch ein Gespräch mit einer anderen Schülerin, die für ein halbes Jahr dort zur Schule ging und von ihren Erfahrungen berichtete. Ich ging auf die Messe mit der Idee nach Schottland zu gehen und verließ sie mit dem Wunsch, Neuseeland kennenzulernen. Da die beiden Ziele vom Preis her sehr ähnlich waren, entschied ich mich dafür die andere Seite der Welt zu erkunden.

Die Vorbereitung für mein Schuljahr in Neuseeland

Eurovacances ist ein sehr persönliches Unternehmen und wir hatten eine Ansprechpartnerin, mit dem wir uns trafen, um alle weiteren Schritte vorzubereiten. Da ihre Tochter während der Schulzeit auch in Neuseeland war, konnte sie uns viele praktische Tipps und Informationen geben.

Ein großer Vorteil an Neuseeland iEin großer Vorteil Neuseelands gegenüber Amerika war, dass die ausländische Schule von den Schülern selbst gewählt werden konnte. So war es möglich, einen Ort in Neuseeland zu wählen. Ich wollte für ein halbes Jahr nach Newlands in die Nähe der Hauptstadt Wellington gehen.

Der Zeitpunkt meiner Reise war schnell festgelegt. Einerseits beginnen die neuen Schuljahre in Neuseeland im Januar und es ist einfacher, die Kurse direkt von Anfang an zu beginnen. Andererseits konnte ich die zweite Hälfte der 10. Klasse in meiner deutschen Schule weglassen. Die Idee dahinter war, dass in der 11. Klasse auch Schüler anderer Schulen in die Stufe hinzukommen und zunächst alle wieder auf das gleiche Niveau gebracht werden müssen. So konnte ich den verpassten Stoff wieder gut aufholen und musste kein Jahr in der Schule wiederholen.

Meine Vorbereitungen für das Auslandsjahr in Neuseeland begannen ein Jahr im Voraus. Die Schule musste ausgewählt werden, alles musste mit der deutschen Schule geklärt werden, alle Bewerbungsunterlagen mussten ausgefüllt werden…

Ein großer Teil der Bewerbung war ein Brief an die Gastfamilie und eine ausführliche Beschreibung über mich. Was die Organisation für mich fand war ein Volltreffer! Ich hätte mir keine bessere Gastfamilie wünschen können und meine Zeit in Neuseeland wurde dank ihr zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Vor der Abreise gab es ein Vorbereitungswochenende mit allen anderen, die von der Organisation ins Ausland geschickt wurden. In verschiedenen Workshops wurden wir auf die Besonderheiten des Gastlandes vorbereitet. Wir hatten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und die anderen kennenzulernen, mit denen wir uns auf die lange Reise antreten würden.

Air New Zealand Flugzeug aus dem Flughafen fotografiert

Meine Reise nach Neuseeland

Mitte Januar flogen alle vom kalten deutschen Winter in den neuseeländischen Sommer. Damit wir die lange Reise nicht allein zurücklegen mussten, trafen wir uns alle in London und flogen von dort weiter über LA nach Auckland, Neuseeland. Die reine Flugzeit betrug etwa 26 Stunden. Glücklicherweise hatte ich zwei Plätze für den zweiten Flug und konnte ein wenig schlafen. Völlig übernächtigt und mit steifen Gelenken kamen wir am Morgen in Auckland an. Um nicht direkt ins Bett zu fallen, sondern den Jetlag zu überwinden war der ganze Tag direkt mit Programm gefüllt.

Die ersten Tage im Gastland

Bevor wir alle zu den Gastfamilien im ganzen Land reisten, gab es eine zweitägige Orientierungsphase in Auckland. Diese wurde von der Firma ISENZ übernommen.

Firmenchef Russell ist ein ehemaliger Schulleiter und gestaltete mit seinem Team ein tolles erstes Wochenende im neuen Land. Wir hatten ein wenig Zeit, uns an die neue Umgebung und Sprache zu gewöhnen und den Jetlag zu überwinden. Die Tage waren voller Programm in Auckland und Umgebung und gaben einen ersten Eindruck von der neuen Kultur, die uns erwartete.

Am dritten Tag ging es weiter zu den Orten, an denen wir zur Schule gehen würden. Für mich ging es also nach Wellington, der Hauptstadt Neuseelands. Der Flug von Auckland aus dauerte nur etwa 1 Stunde. Am Flughafen wurde ich bereits von meiner Gastfamilie und Mrs. Robin, einer Lehrerin meiner Schule, erwartet. Jedes Jahr kommen viele Austauschschüler aus aller Welt nach Neuseeland, so dass es an meiner Schule eine Lehrerin gab, der für die Interessen aller Gaststudenten verantwortlich war und allen bei den ersten Schritten half. Aber dazu später mehr.

Ich wurde von meiner Gastfamilie sehr herzlich empfangen und fühlte mich von Anfang an sehr wohl. Dank meiner drei Gastgeschwister Corey, Lisei und Kane war zu Hause immer etwas los. Die Le´Aupepes waren es gewohnt, Gaststudenten in ihrem Haus zu haben, aber ich war die erste Europäerin, die mit ihnen zusammenlebte. Bisher hatten nur asiatische Austauschschüler mit ihnen gewohnt und sie waren von meinem Englisch begeistert. Obwohl ich in der Schule erst seit zwei Jahren Englisch gelernt hatte, konnte ich mich schnell gut mit ihnen verständigen und lernte viel dazu. Da die europäische und neuseeländische Kultur sehr ähnlich sind, konnte ich mich schnell anpassen und mich im Gegensatz zu vielen ihrer asiatischen Gaststudenten gut in die Familie integrieren.

Der Schulalltag am Newlands College

Als ich Mitte Januar in Neuseeland ankam, begann dort auch das neue Schuljahr. Ich konnte zwischen einer Vielzahl von Fächern wählen. Im Gegensatz zu Deutschland gab es die Möglichkeit, sechs Fächer auszuwählen, die während der Woche durchrotierten. Ich wählte Französisch, Englisch, Mathematik, Theater, PE (Sport) und Musik. Mathematik und Englisch waren Pflicht, den Rest konnte ich frei wählen. Ich wurde dort generell in die 11. Klasse eingestuft. Da mein Französisch im Vergleich zum dortigen Niveau sehr gut war, besuchte ich den Kurs der 13. Klasse und wurde auch in Mathematik in die 12. Klasse hochgestuft.

Besonders Drama war für mich eine völlig neue Erfahrung und ich kann es nur jedem empfehlen. Ich kam schnell in Kontakt mit anderen neuseeländischen Studenten und lernte, mich auf andere Weise auszudrücken und wurde selbstbewusster in der Sprache und in meinem Auftreten. Auch PE fand ich  sehr interessant, weil wir neben der Praxis zweimal pro Woche Theorieunterricht hatten.

Dank Frau Robin, die uns bei der Auswahl der Fächer half und uns auch unterstützt, wenn wir ein Fach wieder wechseln wollten, liefen die ersten Schultage gut. Nach einer Einführung mit allen internationalen Schülern wurde uns ein Buddy zugewiesen, der uns die Schule zeigte und die Abläufe genauer erklärte.

Gruppe internationaler Schüler am Newlands College, Neuseeland

Da Schüler aus aller Welt nach Neuseeland kommen, fand ich schnell Freunde aus Brasilien, Chile, Japan, den Seychellen aber auch andere Deutsche.

Nach der Schule gab es verschiedene sportliche Aktivitäten, an denen man teilnehmen konnte. Ich entschied mich für Basketball und Dragonboating. Besonders das Drachenbootfahren war für mich eine völlig neue Erfahrung. Dabei sitzt ein Team von 20 Personen in einem langen, schmalen Boot. Vorne befindet sich eine Person, die den Rhythmus anzeigt und hinten ein Steuermann. Wir trainierten einen Monat lang zweimal pro Woche und nahmen am Ende an einem Rennen zwischen vielen verschiedenen Colleges im Hafen von Wellington teil. Das Training und der Wettkampf waren für mich eine tolle Erfahrung und ich habe viele neue Freunde auf einen Schlag kennengelernt.

Vor allem durch den Sport und meine ständigen Bemühungen, mit den Neuseeländern in Kontakt zu kommen, fand ich nach einiger Zeit Freunde von dort. Ich machte die Erfahrung, dass die Einheimischen in Wellington sehr daran gewöhnt waren, Austauschschüler aus aller Welt an der Schule zu haben, sodass es für sich nichts Besonderes oder Interessantes mehr war. Immer wieder tauchen neue Gesichter auf, verschwinden aber schon oft nach einem halben Jahr wieder. Alle waren immer sehr offen und freundlich, aber es brauchte Zeit, um richtige Freundschaften aufzubauen und Teil eines Freundeskreises zu werden. Im Gegensatz zu Deutschland hatte man nicht wenige sehr gute Freunde, mit denen man viel macht, sondern große Gruppen von Freunden, die sich immer wieder trafen. Ich fand diese Gruppe in meiner Klasse. Insgesamt waren wir etwa 10 Personen und es gab in den Mittagspausen immer etwas zu lachen.

Mein Südinsel Trip mit ISENZ

In Neuseeland ist das Schuljahr in 4 Terms unterteilt. Ich war den 1. Und 2. Term dort und hatte zwei Wochen Ferien in der Mitte. Um das Land ein wenig besser kennenzulernen, reiste ich mit ISENZ über die komplette Südinsel. Die Organisation und Umsetzung wurde wieder von Russell und seinem Team übernommen, das uns am Anfang in Auckland begrüßt hatte. Auf der Reise traf ich viele bekannte Gesichter der anderen Schüler meiner Organisation wieder. Innerhalb von 2 Wochen reisten wir gemeinsam über die gesamte Südinsel und konnten die großartige Natur Neuseelands erleben. Im Land der Extremsportarten durfte ein wenig Action natürlich auch nicht fehlen. In Queenstown, wo Bungeejupen erfunden wurde, hatten wir Zeit, uns für eine Aktivität zu entscheiden. Bei mir lief das Ganze auf Paragliden hinaus. Alle anderen Orte die wir besichtigten und den genauen Ablauf der Reise werde ich noch einmal in einem weiteren Post genauer beschreiben.

Tandem Paraglidingflug, Queenstown Neuseeland

Fazit nach meinem halben Jahr an einem neuseeländischen College

Mit 15 Jahren allein eine so große Reise anzutreten, war die beste Idee, die ich damals haben konnte. Ich habe nicht nur mein Englisch in kürzester Zeit stark verbessert, sondern auch viele neue Freunde gefunden, Erfahrungen gesammelt, neue Orte entdeckt und bin sehr selbstständig geworden. Dank meiner Gastfamilie hatte ich eine tolle Zeit und fühlte mich die immer gut aufgehoben. Neuseeland ist ein großartiges Land. Die Natur ist atemberaubend schön und die Mentalität der Neuseeländer ist freundlich und offen. Ich erinnere mich noch daran, wie traurig ich war, als mein Rückflug nach Deutschland näher kam. Ich wäre gerne ein ganzes Jahr dort geblieben, um die Menschen besser kennenzulernen und weiter zu Reisen. Vom Tag meiner Abreise an war mir klar, dass ich nach der Schule noch einmal zu Besuch kommen würde. Als ich mit dem Abitur fertig war, hatte ich genug Geld gespart, um weitere zwei Monate in Neuseeland zu reisen und alle meine Freunde dort zu besuchen.

Wenn ihr noch mehr Fragen zu einzelnen Themen habt, schreibt mir doch einfach in die Kommentare, sodass ich darauf eingehen kann.

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